Dracula
Autor: Bram Stoker
Original: Dracula (1897)
meine Bewertung: 5 von 5
Jonathan Harker, ein englischer Anwaltsgehilfe, muss in das ferne Transsilvanien reisen, um sich dort mit Graf Dracula auf dessen Schloss zu treffen. Harker soll mit dem Grafen alle nötigen Formalitäten abwickeln, die für den Kauf eines neuen Anwesens für Dracula in London nötig sind. Schon bei seiner Ankunft in Transsilvanien bemerkt der Brite den starken Aberglauben der Bevölkerung, die größtenteils aus einfachen Bauern besteht. Die Menschen bekreuzigen sich, sobald er den Namen "Dracula" erwähnt, schenken ihm Kruzifixe und geben ihm wilden Knoblauch mit auf die Reise zum Schloss des Grafen. Harker, ein Mann von Welt, belächelt die netten Bauern und begibt sich furchtlos auf das Schloss.
Schon bald jedoch bemerkt er einige Seltsamkeiten. So scheint der Graf beispielsweise kein Spiegelbild zu haben, er isst nicht, ist tagsüber nicht anwesend, riecht unangenehm und kriecht des Nachts eidechsenähnlich an den Mauern des Schlosses hinab. Harker will sich natürlich aus dem Staub machen, bemerkt allerdings, mittlerweile zum Gefangenen des Grafen geworden zu sein, der sich aber als liebenswürdiger Gastgeber erweist und ein anregender Gesprächspartner ist. Als Dracula jedoch nach London abreist, lässt er Harker im Schloss alleine mit drei seltsamen untoten Frauen, die sich seiner annehmen sollen. Harker entkommt und landet erst einmal in einem rumänischen Krankenhaus, bevor er nach Hause nach London in die Arme seiner Verlobten Mina entlassen wird, die er bald darauf ehelicht. Über die Zeit auf Schloss Dracula schweigt er.
Zur gleichen Zeit beginnt Lucy Westenra, eine enge Freundin von Mina, nachts schlafzuwandeln. Eines Morgens findet ihr treuer Freund Dr. Seward merkwürdige Male an Lucys Hals vor. Weil sie außerdem immer schwächer und blasser wird, schickt er nach seinem ehemaligen Lehrer, Professor Van Helsing, der in allen Bereichen der Wissenschaft mehr als nur bewandert ist. Van Helsing erkennt die Zeichen und erfährt zufällig von Harkers Aufenthalt auf Schloss Dracula. Van Helsing schart Seward, Quincy Morris und Lord Goldalming um sich, um Lucy von ihren Qualen mittels Pfählen zu erlösen. Später stoßen auch noch die Harkers zu den Männern und gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach Graf Dracula. Diese Suche ist umso dringlicher, da auch Mina gebissen wurde und kurz davor steht, sich in einen Vampir zu verwandeln.
Stoker hat einen faszinierenden Roman geschaffen, der für seine Zeit ungewöhnlich war. Damals war die Literaturszene vom Realismus geprägt, Stokers Werk ist jedoch der Schwarzen Romantik zuzuordnen. Ungewöhnlich ist nicht nur die Thematik, sondern auch die Erzählweise des Werks. Der Leser liest abwechselnd in den Tagebüchern von John Harker, Mina Harker, Lucy Westenra und Doktor Seward, er bekommt also seinen Gesamteindruck aus verschiedenen Perspektiven. Dies ist sehr interessant, da Stoker es versteht, zwischen den Sichtweisen der Personen einen Schalter umzulegen, so dass jeder Bericht nach seiner erzählenden Person klingt. Durch das Fehlen eines zentralen Erzählers verschafft Stoker seinem Werk eine gewisse Seriosität, es klingt wie ein Tatsachenbericht.
Natürlich muss auch dieser Roman als das betrachtet werden, was er ist: Ein Kind seiner Zeit. Nicht nur die etwas antiquierte Sprache, sondern auch die Haltung gegenüber Ehre und Tapferkeit, sowie Frauen sind geprägt vom damaligen Weltbild. Nicht zu leugnen ist die unterdrückte Erotik, die durch die Zeilen dieser ach so prüden Zeit schimmert.
"Dracula" war nicht der erste Vampirroman - einige Geschichten rund um Blutsauger reichen bis ins frühe Mittelalter - allerdings einer, der es zu Weltruhm brachte und so oft verfilmt wurde, dass "Dracula" das wohl bekannteste ungelesene Buch aller Zeiten ist. Als Vorlage für Stokers Grafen diente angeblich Vlad III. Drăculea, Fürst der Walachei, der durch seine Grausamkeiten bekannt wurde und um dessen Figur sich bis heute zahlreiche Mythen und Legenden ranken. Stoker hat sich mit der Schilderung der Topografie und des Schlosses nicht an exakte Tatsachen gehalten, dennoch lebt ein Großteil des Tourismus in Rumänien heute vom Vampirglauben.
Alles in allem ist "Dracula" ein spannender Vampirroman, den man durchaus gelesen haben sollte. Er weckt das Interesse an der realen Person des Vlad Tepes und am Vampirglauben allgemein. Außerdem vermittelt er einen sehr guten Eindruck des damals herrschenden Weltbildes und ist eine interessante Mischung aus Abenteuer-, Liebes- und Horrorroman. Ein paar Längen kann man dadurch leicht verzeichen.
mariaR schreibt am 15.07.2007 um 17:11 Uhr:Hi Clausi!
AntwortenLöschenAlso, Dracula ist super. Besonders der Anfang ist so spannend, als Jonathan Harker in Transylvanien in den
Bergen rumkutschiert.
Dann ist es manchmal ziemlich zach.. aber meistens sehr interessant. Irgendwie hab ich in jedem Draculabuch Mitleid mit Dracula... jeder will ihm an den Kragen. Gemein. Und das nur, weil er jedem das Blut absaugen will. Meine Güte..gg
Tschüssi,
Maria