Die Begnadigung



Autor: John Grisham
Original: The Broker (2005)
meine Bewertung: 2 von 5

Kurz bevor Präsident Morgan sein Amt verlässt, begnadigt er noch Joel Backman, einen Wirtschaftskriminellen, der zu 14 Jahren Haft verurteilt worden war. Acht Jahre früher als erwartet, wird Backman aus seiner Zelle geholt. Er unterschreibt die Entlassungspapiere und wird vom CIA auf sehr diskrete Weise nach Italien geschafft. Natürlich alles zu seinem Schutz, wie ihm die Beamten immer wieder einreden.

Aus Joel Backman wird Marco Lazzeri, der natürlich kein Wort Italienisch spricht und mit seiner amerikanischen und daher unmodischen Kleidung überall in Italien auffällt. Man lässt ihm eine Typveränderung angedeihen und stellt ihm Ermanno, einen jungen Studenten, und Signora Ferro an die Seite, die mit ihm Italienisch pauken. Seine Freizeit verbringt Marco mit Luigi, einem CIA Agenten. Schon bald merkt Marco, dass etwas faul sein muss. Er bekommt immer wieder neue Wohnungen zugewiesen und fühlt sich beobachtet. Er besorgt sich ein Mobiltelefon und beginnt, Pläne für seine Flucht zu schmieden. Längst ist er nämlich den Plänen der CIA auf die Schliche gekommen: Backman kam zu unermesslichen Reichtum, weil er eine Software für einen Supersatelliten verschiedenen Mächten zum Kauf anbot. Indem sie Backman zur Jagd freigeben, erhoffen sich die amerikanischen Geheimdienste einen Hinweis darauf, welchem Land dieser Supersatellit gehört. Marco flieht bald schon vor den Russen, den Chinesen, den Saudis und seinen eigenen Landsmännern. Wie eine Hasenjagd schlägt er Haken quer durch Europa, bis er schließlich wieder in Washington ankommt.

Dieser Grisham ist nicht besonders leicht einzuschätzen. Es handelt sich nicht so konsequent um eine Erzählung wie beispielsweise „Der Richter“ oder „Die Farm“, weil doch Spannungselemente vorkommen, allerdings ist es auch bei Weitem kein Thriller. Dafür ist die Geschichte zu ereignislos. Außer Joel/Marco, den man schon nach den ersten paar Seiten wirklich sympathisch finden kann, bleiben alle Charaktere sehr flach. Man hat oft das Gefühl, eher in einem Italien- bzw. Bologna-Führer gelandet zu sein, denn in einem Roman. Leider versäumt es Grisham während des ganzen Buches eine Erklärung zu liefern, warum der Protagonist ausgerechnet nach Italien verpflanzt wurde – in ein Land, dessen Sprache er nicht ansatzweise beherrscht. Wie sich auch die Romanfigur des Öfteren wundert, wäre es doch logischer gewesen, ihn in ein englischsprachiges Land, beispielsweise Australien, England oder Kanada, zu verfrachten. Die Erklärung für diese Wahl gibt Grisham dem Leser erst im Nachwort – Joel/Marco bleibt er sie bis zum Schluss schuldig.

Interessant ist aber dennoch, wie der Amerikaner Grisham die europäische Lebensweise und den europäischen Kleidungsstil empfindet und demnach auch beschreibt. Auf jeden Fall hört man die Begeisterung Grishams für Italien aus jeder Zeile heraus und wenn man sonst schon nichts mit dem Werk anzufangen weiß, kann man es immer noch als Restaurant-Führer benutzen.

  • Broschiert: 480 Seiten
  • Verlag: Heyne (September 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453431979
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