Freitag, 9. Mai 2008

Gevatter Tod



Autor: Terry Pratchett
Original: Mort (1987)
meine Bewertung: 5 von 5

Mort ist eine eher tragische Figur der Scheibenwelt. Mit seinem Äußeren, das ihn wirken lässt, als hätte er einige Knie und Ellenbogen zuviel, ist er nicht gerade eine blendende Erscheinung. Niemand nimmt ihn ernst, nicht einmal die Krähen auf dem Feld machen sich die Mühe, vor ihm davon zu fliegen. Morts Vater hat sich zwar inzwischen an ihn gewöhnt, trotzdem wäre es ihm lieber, er würde eine Lehrstelle annehmen. Also packt er eines Tages Mort und dessen Sachen und reist mit ihm in die Stadt.

Am Handwerksmarkt stehen alle arbeitswilligen jungen Männer und lassen sich wie Pferde begutachten und von ihren zukünftigen Lehrherren mitnehmen. Mort ist die Sache etwas peinlich, denn mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht und er steht immer noch Lehrherren-los herum. Doch dann, kurz vor dem letzten Glockenschlag taucht eine Gestalt vor ihm auf, die tatsächlich eine Lehrstelle für Mort hat: Tod.

Mort geht bei Tod in die Lehre, der sich eigentlich als ganz guter Meister erweist. Er lernt das Handwerk des Seelenbegleitens und macht seine Sache derart gut, dass Tod beschließt, ein wenig Urlaub zu machen und Mort seine Aufgaben zu übertragen. Anfangs geht’s auch halbwegs, doch dann soll er die Seele von Prinzessin Keli ins Jenseits befördern. Allerdings unterläuft Mort dabei ein Missgeschick. Er verliebt sich in Prinzessin Keli und anstatt seinen Job zu erfüllen, rettet er sie vor einem Attentäter. Blöd, denn so hat Mort keine Seele, die er begleiten könnte.

Prinzessin Keli lebt also, obwohl sie tot sein sollte. Die reale Realität kümmert sich darum wenig, sie versucht, die Geschichte wieder gerade zu biegen. Doch gemeinsam mit Tods Tochter und Tods Koch entwickelt er einen Plan, die immer näher rückende reale Wirklichkeit aufzuhalten. Tod ist inzwischen auf Urlaub. Doch können sich die Helden der Geschichte ohne dessen Hilfe aus der Affäre ziehen?

Die Geschichte rund um den ungelenken Lehrling Tods ist sehr witzig, alleine schon die Idee, dass Tod einen Lehrling ausbildet, ist genial. Pratchett hat sich viele, viele Gedanken rund um die Details der Geschichte gemacht und diese konsequent einfließen lassen. Die Scheibenwelt ist sehr komplex, doch auch Neulinge finden leicht den Weg nach Ankh Morpork und nur schwer wieder heraus. Einfach die Lektüre zum Lachen und auch für Fans nicht-klassischer Fantasy nach dem Muster von Herr der Ringe oder Krieg der Sterne.

Wer sich die Mühe macht, genauer hinzulesen, wird außerdem nicht nur genial verpackte Philosophie entdecken, sondern auch intelligente Anspielungen auf sozialkritisch betrachtete Themen unserer Zeit. Mehr als nur ein witziger Zeitvertreib, Pratchett lohnt sich immer.

Mein Lieblingszitat aus dem Buch (S. 225):„Mir scheint, du hast weder besondere Fähigkeiten noch irgendwelche speziellen Talente. Vielleicht solltest du dich als Lehrer versuchen.“
Taschenbuch: 329 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 7., Aufl. (August 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349228504X
ISBN-13: 978-3492285049

1 Kommentar:

  1. DieRoteZora schreibt am 09.05.2008 um 20:47 Uhr:
    Terry Pratchett ist und bleibt der Meister

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