Dienstag, 14. Oktober 2008

Den Göttern kommt das große Kotzen



Autor: Charles Bukowski
Original: The Captain is out for Lunch (1998)
meine Bewertung: 3 von 5

Bukowskis Hauptfigur dieses Buches ist ein einundsiebzigjähriger Schriftsteller, der seine Tage auf der Rennbahn verbringt, sich abends betrinkt und seine Nächte vor dem gerade erst angeschafften Computer verbringt, wo er gleich einem Süchtigen Worte aufs Papier bzw. den Bildschirm bringen muss. Sein Protagonist lebt mit Linda zusammen, meidet aber sonst den Kontakt zu anderen Menschen, vor allem zu schreibenden Kollegen, Journalisten, Fotografen und Fans. Schließlich kann er sich nicht aussuchen, von wem er gelesen wird.

In Tagebuchform erzählt er von seinen Tagen und Nächten, die sich nicht großartig voneinander unterscheiden. Der Protagonist sinniert über den Sinn des Lebens und einen möglichen bevorstehenden Tod, lässt in Rückblicken an seinem bisherigen Leben teilhaben und gibt selbst zu, eine gestrauchelte Person zu sein, die wohl bis zu seinem Tod ein Außenseiter bleiben wird. Und nach seinem Tod wird sich jeder um seine Werke reißen.

Die Hauptfigur des Buches ist niemand anderer als Charles Bukowski selbst. Die Einträge stammen von den Jahren 1990 bis 1992 und haben alle einen fast misanthropischen Grundton gemeinsam. Tatsache ist, dass die Erzählung stark autobiografisch, wenn auch mit vielen Übertreibungen, ist und einen kleinen Einblick in die letzten Jahre Bukowskis zu bekommen.
Man muss Bukowski entweder lieben oder hassen, weil er eben nichts anderes kann, als der zu sein und darüber zu schreiben, wer er ist. Doch dieses Buch schafft es tatsächlich, mir eine neutrale Grundstimmung abzugewinnen. „Das Schlimmste kommt noch“ war mein erster Bukowski, ich war fasziniert von ihm und seiner realistischen Schreibweise und atmosphärischen Schilderung.

Dieses Buch kommt mir allerdings so vor, als würde auf 160 Seiten immer wieder dasselbe wiedergekäut. Beim ersten Lesen dieser Gedanken interessant, auf den restlichen 100 Seiten nicht mehr so richtig. Dennoch ist das Buch gut, vor allem für jene, die sich immer als Außenseiter der Gesellschaft und nie so richtig zugehörig fühlen. Super auch für die Hardcore-Bukowski-Fans. Als Einstiegslektüre würde ich dennoch ein eher romanhaftes Werk wie „Das Schlimmste kommt noch“ empfehlen.

Broschiert: 158 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (22. Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462039474
ISBN-13: 978-3462039474

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