Sonntag, 12. Oktober 2008

Mörderische Aussichten



Autorin: Ann George
Original: Murder gets a Life (1999)
meine Bewertung: 4 von 5

Die beiden Schwestern Patricia Anne und Mary Alice schaffen es einfach immer wieder, über Leichen zu stolpern. Dieses Mal sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Ray, der Sohn von Mary Alice, der auf Bora Bora als Tauchlehrer arbeitet, hat geheiratet – ziemlich spontan und ohne seine Familie. Die Geehelichte stammt aus der Nachbarstadt der Schwestern und kündigt ihren Besuch bei Mary Alice, ihrer Schwiegermutter, an.

Natürlich möchte Mary Alice ihre Schwester Patricia Ann dabei haben, denn sie hat ja den dringenden Verdacht, dass die neue Schwiegertochter namens Sunshine es nur auf Rays Geld abgesehen hat. Davon hat Ray zwar noch nicht besonders viel, seine Mutter allerdings umso mehr. Natürlich kommen Patricia Ann und ihr Mann Fred sowie Tochter Haley gerne als seelische Stütze zu einem Abendessen.

Doch auch die Schwiegertochter, die von ihrem Urlaub auf Bora Bora wieder zurück gekehrt ist und ihren frisch angetrauten Ehegatten vorerst dort gelassen hat, ist nicht ohne Unterstützung gekommen. Sie hat ihre Großmutter Meemaw mitgebracht, die so gar nicht aussieht, wie ihre Enkelin Sunny. Denn Sunny scheint die fleischgewordene Barbiepuppe zu sein.

Sunny erweist sich als nettes Mädchen, Meemaw als etwas seltsame alte Dame, die aber auch sehr liebenswürdig ist. Der Gegenbesuch bei den Turketts erweist sich jedoch als äußerst seltsam. Die Turketts wohnen in einem Wohnwagenlager, obwohl ein Sohn sehr erfolgreicher Truthahnfarm-Besitzer ist und Pawpaw, der Mann von Meemaw, als Raketentechniker tätig war. Kerrigan, Sunnys Mutter, ist gut verdienende Pornodarstellerin. Etwas harter Tobak, doch es kommt noch schlimmer.

Beim nächsten Besuch stolpern die beiden Schwestern über eine Leiche. Ein indianisch aussehender Mensch wurde mit einem Schweineschlachtmesser am Boden von Meemaws Wohnwagen aufgespießt. Außerdem ist Sunny verschwunden. Natürlich wird sofort auch Ray verständigt, der sich auf den Weg von Bora Bora nach Alabama zu seiner Mutter Mary Alice macht.

Die beiden Schwestern haben mit ihren 61 bzw. 64 Jahren schon viel Erfahrung in Sachen Krimis, Leichen, Mörder und Verbrechen gesammelt und stellen auch in diesem Buch ihr Geschick als Hobbyermittlerinnen unter Beweis und finden Dinge über die angeheiratete Verwandtschaft heraus, die sie niemals wissen wollten.

Was die Krimis von Ann George so lesenswert macht, ist vor allem die Tatsache, dass die Detektivinnen zwei völlig normale alte Damen sind, die noch dazu Schwestern sind und unterschiedlicher nicht sein könnten. Patricia Ann ist klein und wiegt 48 kg. Sie ist ehemalige Lehrerin und die ruhigere der beiden. Mary Alice wiegt 113 kg und ist laut und unverschämt. Dennoch verstehen sich die beiden blendend, auch wenn der Ton manchmal etwas rauer ist.

Ein wenig verwirrend mögen die Verwandtschaftsverhältnisse in den Südstaaten sein, doch auch das tut dem Lesevergnügen nur wenig Abbruch. Man sollte allerdings keinen klassischen Krimi erwarten, sondern eher eine Geschichte um zwei Schwestern und deren Familien, in der zufällig ein Mord passiert und schließlich auch mehr oder weniger zufällig aufgeklärt wird. Spannung oder Action wird man nicht finden, dafür umso nettere Hauptfiguren und eine teilweise auch witzige Handlung.
Broschiert: 299 Seiten
Verlag: Dtv (Oktober 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423210893
ISBN-13: 978-3423210898

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen