Samstag, 15. November 2008

Der Meister und Margarita



Autor: Michail Bulgakow
Original: Master i Margarita (1966)
meine Bewertung: 4 von 5

An einem Frühlingsnachmittag sitzen ein Dichter und ein Redakteur im Park und unterhalten sich über den Auftrag, den der Dichter gerade bekommen hat. Er soll ein satirisches Gedicht auf Jesus schreiben. In diesem Moment gesellt sich ein seltsam aussehender Ausländer zu ihnen. Er hat ein schwarzes und ein grünes Auge, trägt einen Gehstock mit Pudelkopf und mischt sich sogleich in das Gespräch der beiden. Er erzählt ihnen von den „wahren Ereignissen“ rund um die Kreuzung Christi und behauptet, deshalb so gut darüber Bescheid zu wissen, weil er selbst dabei gewesen sei. Außerdem prophezeit er ihnen, dass einer der beiden die Nacht nicht mehr erleben würde. Er selbst stellt sich als Voland, ausländischer Konsulator, vor.

Tatsächlich dauert es nicht lange, bis einer der beiden auf seltsame Art und Weise ums Leben kommt. In Moskau ereignen sich allerhand unheimliche Dinge, die drohen, die Stadt ins Chaos zu stürzen. Die Hauptbeteiligten der chaotischen Zustände sind immer ein dicker Kater, ein langer Typ, eine nackte Rothaarige und Voland. Was bezwecken die seltsamen Gestalten in Moskau? Wer ist Voland, den niemand zu fassen bekommt, in Wirklichkeit?

„Der Meister und Margarita“ vereint zwei Haupthandlungsstränge in einem Buch. Zum einen dreht sich das Werk immer wieder um die Geschehnisse in Jerusalem rund um Pontius Pilatus und die Kreuzigung Jesu, zum anderen tauchen zwei Menschen auf, die einen Pakt mit dem Teufel eingehen. Margarita willigt ein, Voland auf seinen unheimlichen Ball zu begleiten, um dadurch ihren Geliebten, den sie nur „Meister“ nennt, zurück zu bekommen. Dieser war zuvor in eine Nervenheilanstalt eingewiesen worden, weil er ein als konterrevolutionär eingestuftes Werk rund um die historische Figur des Pilatus verfasst hatte.

Insgesamt ist Bulgakows Roman eine irrwitzige Odyssee ins Reich des Fantastischen. Einerseits mit vielen politischen Anspielungen auf das kommunistische Russland und dessen Regime, andererseits mit einer subtilen Art von Humor. Man schließt Berlioz, den Meister, Margarita und selbst den Teufel und seine Gefolgsleute direkt ins Herz, schließlich passiert das Unglück, das sie verursachen, nur jenen Menschen, die abgrundtief schlecht, gierig und falsch sind. Der Witz kommt vor allem dadurch zum Tragen, dass Voland ständig auf sich selbst anspielt, indem er flucht und auf „des Teufels Großmutter“ anspielt. Selbst sein Name ist eine Anspielung auf den Teufel (siehe „Faust“). Und scheinbar geht vom Teufel selbst nicht das Gegenteil des Himmels aus, also nicht die Hölle, sondern ewige Ruhe.

Bemerkenswert an „Der Meister und Margarita“ ist, dass es in einer Zeit entstand, in der der Autor wahrscheinlich mit der Regierung die ärgsten Probleme bekommen hätte, obwohl er Stalins bevorzugter Stückeschreiber war. Erschienen ist es deshalb erst rund 30 Jahre nach Bulgakows Tod und wurde zu einem der bekanntesten Romane Russlands. Viele Aussprüche des Werks sind in die russische Sprache eingegangen und werden gleichsam als Redewendungen noch heute verwendet.

Zugegebenermaßen habe ich wohl nicht den gesamten Sinn und die gesamte Aussage des Romans verstanden, was vor allem dadurch zu begründen ist, dass meine Kenntnis historischer und politischer Ereignisse der damaligen Sowjetunion betrifft. Dennoch hat man auch als historisch-politisches Nackedei seinen Spaß an der Geschichte. Zwar mag sie an einigen Stellen über Längen aufweisen, allerdings ist die Geschichte es Wert, darüber hinweg zu sehen und weiter zu lesen. Wer Spaß an Werken hat, die nicht streng einem Handlungsstrang folgen und sich auch nicht an eine strikte Chronologie halten, ist mit dem Buch gut beraten. Etwas Zeit sollte man jedoch schon mitbringen, genauso wie einen Sinn für hintergründigen Humor. Und eins muss selbst ein negativer Kritiker der Geschichte zugeben: handwerklich ist an dem Buch nichts auszusetzen!
Broschiert: 510 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag (16. Januar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3630620930
ISBN-13: 978-3630620930

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