Sonntag, 8. Februar 2009

Das erstaunliche Ende



Autor: Lemony Snicket
Original: A Series of Unfortunate Events - The End (2006)
meine Bewertung: 3 von 5

Violet, Klaus und Sunny Baudelaire fliehen vom brennenden Hotel Denouement (siehe Band 12) auf einem Boot, das ins offene Meer segelt. Eigentlich könnten sie sich dadurch in Sicherheit fühlen, blöd ist nur, dass sich auf diesem kleinen Schiffchen auch noch der Erzfeind der Weisen befindet: Graf Olaf. Er ist schon seit 12 Bänden hinter dem Vermögen der Baudelaires her, jetzt jedoch scheint er die einzige Rettung der Kinder zu sein.

Das Boot gerät in einen fürchterlichen Sturm, doch die Kinder und Graf Olaf überstehen ihn. Sie werden auf ein Schelf in der Nähe einer einsamen Insel gespült. Es dauert nicht lange, da machen sie bereits Bekanntschaft mit einem der Inselbewohner. Es handelt sich um ein kleines Mädchen namens Freitag. Sie bietet den Baudelaires an, sie mit auf die nahe Insel zu nehmen, während sie Olaf verbietet, mitzukommen, weil er sich unhöflich ihr gegenüber benimmt.

Auf der Insel lernen die Kinder das Oberhaupt der kleinen Kolonie kennen: Es handelt sich um Ishmael, der viel Wert auf Herzlichkeit legt und darauf, dass die Insel von aller Heimtücke auf der Welt ferngehalten wird. Alle Dinge, die von der Außenwelt auf der Insel angespült werden, werden von ihm begutachtet. Ishmael entscheidet, was damit passieren soll. Meistens landen die Dinge im Arboretum am anderen Ende der Insel. Ishmael gibt vor, dadurch die Insel schützen zu wollen.

Auf der Insel geht es dementsprechend friedlich, aber auch langweilig zu. Alle Einwohner sind als Schiffbrüchige an die Insel gespült worden und geblieben. Das ganze Jahr über bauen die Bewohner an einem Outrigger und einmal im Jahr, wenn das Schelf überflutet wird, haben die Bewohner die Möglichkeit, die Insel damit zu verlassen. Die meisten Kolonialisten entscheiden sich gegen diese Möglichkeit. Zwar gibt es auf der Insel nicht besonders viel zu tun, das Essen schmeckt fade und ist immer gleich und auch sonst ist es beschaulich-langweilig, dafür aber auch friedlich.

Schnell erkennen die Baudelaires jedoch die Unzufriedenheit unter der Bevölkerung. Einige lernen anderen heimlich das Lesen oder Jodeln, manche behalten Dinge, die sie am Schelf gefunden haben und schließlich bemerken die Kinder, dass an Ishmael etwas faul sein muss.
Die Kinder sind mittlerweile auch in Sicherheit vor Graf Olaf. Ishmael hat dafür gesorgt, dass er in einem Vogelkäfig eingesperrt am Schelf ausharren muss. Das Oberhaupt der Insel weiß allerdings nicht, welch grausiges Geheimnis Graf Olaf unter seiner Kleidung verborgen hält. Er hat den Taucherhelm mit dem Medusen Myzel (siehe Band 11) mitgebracht. Eine tödliche Waffe, falls er die Möglichkeit hat, sie einzusetzen.

Eines Tages wird auf einem seltsamen Floß, das aus zusammengebundenen Büchern zu bestehen scheint, eine alte Bekannte angeschwemmt: Die hochschwangere Kit Snicket liegt mit einem gebrochenen Knöchel auf den Büchern. Die Kinder bitten die Inselbewohner um Hilfe, doch die haben ganz andere Pläne. Sie wollen eine Meuterei anzetteln. Schnell wird ein Deal ausgehandelt: Die Kinder gehen ins Arboretum am anderen Ende der Insel und besorgen Waffen für eine Meuterei, dafür helfen sie der Schwangeren.

Die Baudelaires gehen also zu dem großen verbotenen Baum am anderen Ende der Insel und entdecken dort viele Antworten auf ihre Fragen und schier Unglaubliches. Doch Ishmael entdeckt sie. Außerdem haben die Kinder in diesem Band erneut gegen das Medusen Myzel zu kämpfen und auch Graf Olaf entflieht aus seinem Vogelkäfig. Welchen Ausgang wird die Reihe betrüblicher Ereignisse schlussendlich nehmen? Man darf gespannt sein bis zum Schluss.

Zwar ist die Geschichte sehr spannend und enthält wieder unendlich viele Referenzen und hintergründigen Humor, allerdings sollte das Buch eher „Der schlechte Schluss“ heißen. Aufgeklärt wird leider gar nichts, ein sehr unbefriedigendes Gefühl bleibt, genauso wie viele offene Fragen. So seltsam die Reihe angefangen hat, so endet sie auch. Die Bände dazwischen steigern sich kontinuierlich an Spannung, nach insgesamt einhundertsiebzig Kapiteln erwartet man allerdings eine Art Lohn für sein Durchhaltevermögen, den man nicht bekommt. Sehr schade.

Neben offensichtlichen Referenzen auf Figuren, die mit Inseln und Meer zu tun haben (Ishmael, Kalypso, Freitag, Robinson), kommen wieder Anspielungen Poeten bzw. Schriftsteller (Tolkien, Shakespeare, Cleary) oder deren Figuren (Caliban, Alonso, Ferdinand, Ariel) und Werke (Referenzen auf die Odyssee wie Schafe, Kokoskordial als Anspielung auf die Lotusesser) en masse vor. Auch die Bibel bleibt in diesem Band nicht außen vor. So liefert Sunny einen Hinweis auf Genesis 3:5 als sie „Gentreefive“ sagt oder die Idee des Apfelbaumes (als Baum der Erkenntnis sozusagen) ein zentrales Thema darstellt.

Über die Reihe betrüblicher Ereignisse könnte man tatsächlich eine Diplomarbeit verfassen, denn die Geschichte der Baudelaires scheint nur vordergründig und unwichtig zu sein. Viel wichtiger, interessanter und lustiger ist es, die versteckten Hinweise und Referenzen entdecken zu wollen. Allein deshalb lohnt sich eine zweite Lektüre wohl. Wie versprochen werde ich mich in meinem nächsten Urlaub wohl der Aufgabe widmen, auf meinem Blog eine kleine Liste der Referenzen zu verfassen.
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (13. August 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442545951
ISBN-13: 978-3442545957

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