Montag, 26. Oktober 2009

Der kleine Held












Autor: Walter von Molo
Original: Der kleine Held (1950)
meine Bewertung: 4 von 5

Es ist Sommer. Der junge Walter wandert mit seiner Mutter, seinem Vater und seinem Bruder einen Forstweg entlang, angeführt von einem einheimischen Bauern. Die Familie aus Wien macht in dem kleinen Dorf am Land, Nonnenkirchen, Urlaub – oder besser: Sommerfrische, wie man es damals wohl nannte. Wir schreiben das Jahr 1850, der kleine Walter hat ein Lungenleiden und ist deshalb das Sorgenkind der Familie. Aber es ist schön, die Menschen sind nett und der Familie stehen drei unbeschwerte Monate bevor. Der Vater jedoch kommt nur jedes Wochenende, er muss zurück in die Stadt um zu arbeiten.

Die Familie ist wohlhabend, man hat eine Wohnung in Wien, eine Mietkutsche und eine Zugehfrau. Während der Sommerfrische bessert sich Walters Gesundheit zusehends, er verliebt sich sogar in die Bauerstochter. Umso schwerer fällt den Colas der Abschied von Nonnenkirchen, als es wieder Herbst wird.

Die Schule beginnt von neuem, es ist unsicher, ob Walter sitzen bleiben wird oder es doch noch schafft. Umso überraschter ist man, als Walter schließlich sogar zum Studium an der Universität zugelassen wird. Seine Gesundheit ist schon bald kein Thema mehr und Walter, der bisher immer im Schatten seines gelehrten Bruders, dem Schriftsteller, macht sich doch recht gut.

Während Walters Leben besser wird, bleibt die Familie nicht von Schicksalsschlägen verschont. Der Bruder wird leicht verrückt, die Verwandten sterben, man zieht in eine andere Wohnung und auch die politische Situation des einst so glanzvollen Wiens erweist sich als etwas prekärer als angenommen.

Das Buch lag mehr als 10 Jahre auf meinem Stapel ungelesener Bücher und nun frage ich mich, warum ich es dazu kommen ließ. Vielleicht war es auch gut so, um die Stimmung und die politischen Hintergründe des Buches richtig verstehen zu können, doch der Humor und die Sichtweise des Erzählers erwiesen sich als sehr ansprechend. Es ist eine Art Entwicklungsroman, der Leser begleitet den Erzähler vom kleinen Helden bis zum erwachsenen Beamten, der sein Glück in der Liebe sucht, bekommt latent mit, wie sich die Gegebenheiten in Wien verändern und welcher Geist diese Zeit durchweht – etwa, wenn sich die Familie fasziniert vor dem Lichtschalter versammelt und nicht glauben kann, wo das Licht auf Knopfdruck herkommt.

Molos autobiografischer Roman ist eine echte Empfehlung. Zwar wird man sich schwer tun, das Buch zu bekommen, aber falls man es auf einem Flohmarkt irgendwo liegen sieht, sollte man es unbedingt mitnehmen.

Antiquariat,
330 Seiten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen