Dienstag, 29. Juni 2010

Die Straße der Ölsardinen



Autor: John Steinbeck
Original: Cannery Row (1945)
Übersetzung: Rudolf Frank
meine Bewertung: 5 von 5

Cannery Row, die „Straße der Ölsardinen“, liegt im amerikanischen Fischerdorf Monterey. Es sind dies die Straßen rund um die Konservenfabriken, ständig weht der Geruch von Fisch durch die Gegend. Die Menschen, die dort leben, sind ebenso speziell wie ihre Behausungen.

Häuser gibt es nämlich nicht wirklich. Mac und seine vier Freunde, alle gleichsam arbeitslos und arbeitswillig, aber durchaus nicht blöd, leben beispielsweise in einer alten Lagerhalle, andere hausen in leeren Dampfkesseln, Rohren oder auf einem seeuntüchtigen Boot.

Es gibt einen Amüsierbetrieb für die Fischer, „Doras Etablissement“, den vollgestopften Laden des kleinen Chinesen Lee Chong, das Laboratorium des Meeresbiologen Doc und ähnliches. Doc ist sowieso der beliebteste Einwohner der Cannery Row. Das ist auch der Grund, wieso Mac und seine vier Freunde eine Party für ihn organisieren wollen. Nicht nur, bis es soweit ist, erleben die Organisatoren so einiges, sondern auch die Party selbst wird zur großen Herausforderung. Auch für den Gefeierten.

John Steinbeck erzählt episodenhaft in 32 relativ kurzen Kapitel eine Geschichte über Menschen, die im Leben eigentlich nichts zu lachen hätten – wären sie nicht so zufrieden und ausgeglichen. Er erzählt von Lebensfreude in einer eigentlich unwirtlichen Gegend, in der Menschen leben, die eigentlich keine Hoffnung auf ein besseres Leben haben. Doch diese Menschen verstehen es, ihr Leben in Würde zu leben und mit viel Freude.

„Die Straße der Ölsardinen“ ist ein absolut empfehlenswertes Buch für alle, die gerne den großen Erzähler Steinbeck kennen lernen wollen, aber nicht gleich einen der umfangreicheren Romane lesen möchten. Schade, dass Steinbeck bei uns so wenig gelesen wird.
Sondereinband: 160 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag; Auflage: Ungekürzte Ausgabe (1. September 1986)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423106255
ISBN-13: 978-3423106252

Kommentare:

  1. Oh, ich hab "Wonniger Donnerstag" (sozusagen die Fortsetzung) seit gefühlten 20 Jahren ungelesen im Regal stehen. Hab damals den Film gesehen (mit dem jungen Nick Nolte) und der hat mir sehr gut gefallen. Hab mir für heuer echt vorgenommen, das Buch endlich zu lesen. Vielleicht sollte ich mir aber vorher noch das hier besorgen? *grübel*

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  2. Also ich fand es wirklich sehr erstaunlich. Eher untypisch kurze Szenen, aber dafür mit viel Liebe zum Detail und mit Blick auf die Stärken jedes Charakters, ohne die Schwächen zu verschweigen. Ich wusste aber gar nicht, dass es eine Fortsetzung gibt - die ist gleich auf meinen Wunschzettel gewandert :D

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