Donnerstag, 5. Oktober 2006

Die Farbe Lila



Autorin: Alice Walker
Original: The Color Purple (1983)
meine Bewertung: 5 von 5

Celie ist vierzehn, als sie damit beginnt, Briefe an Gott zu schreiben. Sie hat kein besonders gutes Leben, allerdings auch niemanden, dem sie sich sonst anvertrauen könnte. Das Briefeschreiben hilft ihr, ähnlich einem Tagebuch, damit klar zu werden. Es ist prinzipiell keine besonders gute Zeit in den amerikanischen Südstaaten für die Menschen mit dunkler Hautfarbe, aber die Tatsache, dass Celie nicht besonders klug oder hübsch ist, machen ihr das Leben noch schwerer. Nach dem Tod ihrer Mutter kümmert sich Celie um ihre Geschwister und den Haushalt.

Zusätzlich erschwert wird ihr Leben durch die sexuellen Übergriffe ihres Vaters auf sie, die sie erträgt, in der Hoffnung, damit ihre Schwester Nettie  vor diesem Unheil zu bewahren. Lang kann sie diese Beschützerfunktion allerdings nicht ausüben. Ihr Vater verheiratet sie mit einem Mann, der jemanden braucht, um seine Kinder zu versorgen. Obwohl die Kinder frech und widerspenstig sind, versucht Celie all ihren Aufgaben nachzukommen. Das einzige, was ihrem trostlosen Leben noch Hoffnung gibt und sie am Leben hält, ist ein Foto der Sängerin Shug Avery. Sie bewundert diese starke Frau, die ihren Weg gemacht hat, sich ncihts von Männern und schon gar nicht von den Weißen sagen lässt.

Als Shug, eine frühere Geliebte ihres Mannes, schließlich in die Stadt kommt und Unterkunft braucht, weil sie krank ist, kümmert sich Celie rührend um sie. Und das Starlet, das sich anfangs sehr kratzbürstig verhält, entwickelt ihrerseits eine tiefe Zuneigung diesem etwas naiven, aber liebenswürdigem Geschöpf. Sie nimmt Celie unter ihre Fittiche und hält deren Mann davon ab, sie weiter zu schlagen. Langsam, Schritt für Schritt, findet Celie dadurch Gott in sich selbst und zu einem besseren Leben.

Alice Walker hat für dieses Werk, das von den Problemen, Ängsten, Sorgen und Nöten der Menschen mit dunkler Hautfarbe erzählt, den Pulitzer Preis erhalten, das Buch wurde mit Whoopi Goldberg und Danny Glover in den Hauptrollen verfilmt. Man mag die kleine Celie von Anfang an, man wünscht ihr von Herzen nur das Beste und vegießt vielleicht die eine oder andere Träne auf den letzten Seiten der Geschichte und schüttelt den Kopf über so manche Ungerechtigkeit.

Das, was diese Geschichte wirklich ausmacht, ist ihr Potential, etwas zu verändern und Menschen zu sensibilisiern. Alice Walker schafft es - im Gegensatz zu Harriet Beecher-Stowe - ihre Protagonisten zum Leben zu erwecken und sie real darzustellen. Sie verfällt nicht in den Stow'schen Romantismus vom "Wilden", wahrscheinlich, weil Walker selbst dunkle Haut hat, Beecher-Stowe hingegen hellhäutig war und ihre Bücher ("Onkel Toms Hütte") aus einer anderen Perspektive heraus verfasste.

"Die Farbe Lila" sollte auf jeden Fall zur Pflichtlektüre in der Schule erhoben werden, um Jugendlichen einen Blick sozusagen von innen heraus auf Thematiken wie Gewalt, Missbrauch und Diskrimination zu ermöglichen. Aber auch für jeden anderen auf jeden Fall eine wertvolle Leseerfahrung.




  • Taschenbuch: 250 Seiten
  • Verlag: Lübbe; Auflage: 4., Aufl. (Juni 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340492133X
  • ISBN-13: 978-3404921331
  • Kommentare:

    1. AngelInChains schreibt am 13.10.2006 um 00:01 Uhr:Traurigerweise erleben viele Schueler Gewalt und Diskriminierung schon am eigenen Leib... Aber das ist ein anderes Thema.

      Aber damit ich nicht missverstanden werde: Die Farbe Lila ist ein wirklich empfehlenswertes Buch, ich habe es auf Englisch gelesen, und ich kann Ihrer Bewertung auf jeden Fall zustimmen.

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    2. soJA schreibt am 13.10.2006 um 15:01 Uhr:Bisher kenne ich nur den Film, aber auch der ist sehr gut gemacht. Muß ich unbedingt demnächst noch einmal ansehen.

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    3. leo14 schreibt am 14.10.2006 um 13:50 Uhr:ich hinterlasse jetzt mal eine nachricht, dass ich deine seite ganz toll finde; sehr informativ und kompetent, besonders gefällt mir "gerade in arbeit"; und die listen - bekomme richtig lust auf noch mehr lesen, ach - wenn ich doch mehr zeit hätte ...
      beste grüße
      leo14

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    4. soJA schreibt am 14.10.2006 um 17:34 Uhr:Mir gefällt besonders gut der Hintergrund aber auch in der Seitenleiste Autoren von A-Z. Da kann ich auf einen Klick gleich nachschauen ob ein Buch schon bewertet wurde.
      Könnte ich mir auch gut für den Leo14 vorstellen für die Lebensläufe.

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    5. leo14 schreibt am 14.10.2006 um 18:09 Uhr:@soJA danke für den Tipp - da muss ich aber chil fragen, wie er/Sie das macht - komisch, dass man beim Lesen automatisch an Mädchen denkt ... Burschen lesen doch auch viel - oder liegt das an mir!!!

      @chil - bitte: wie machst du das mit den Seitenleisten A bis Z, gibt es da eine Trick oder ist es bloß Denkarbeit ...

      danke danke danke!
      wir lesen voneiandner
      beste grüße leo 14

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