Freitag, 11. Mai 2012

Der Tod fährt Riesenrad



Autorin: Edith Kneifl
Original: Der Tod fährt Riesenrad (2012)
meine Bewertung: 5 von 5

Wien im Jahr 1897. Es ist das Jahr, in dem das Riesenrad im Wiener Prater, jenem Ort, an dem sich immer schon die Klassen vermischt haben, eröffnet wird. Die bessere Gesellschaft vergnügt sich im "Venedig im Wien", dem ersten Themenpark der Welt, während sich Zigeuner und einfaches Volk in den Praterauen und Wirtshäusern tummeln. Man winkt jedem Tag dem Kaiser zu, wenn er in seiner Kutsche von Schönbrunn über die Mariahilfer Straße in die Hofburg fährt, die bessere Gesellschaft bewegt sich in Fiakern fort und es ist in Mode, zu diesem neuen Nervenarzt, Dr. Freud, zu gehen.
Der Protagonist des Buches, Gustav von Karoly, seines Zeichens Privatdetektiv, wird in jenen Tagen von Margarete von Leiden beauftragt, ihre 15-jährige Tochter Leonie zu suchen. Diese ist zwar schön öfter ausgerissen, aber so lange wie dieses Mal war sie noch nie verschwunden. Gustav nimmt den Auftrag nicht nur des vielen Geldes wegen an, das ihm seine adelige Auftraggeberin verspricht, sondern auch, weil er sich unsterblich in die Dame verliebt hat.

Gustavs Ermittlungen führen ihn immer wieder in den Prater, genauer: zu den Zigeunern, die dort ihr Lager aufgeschlagen haben. Die gehören zu den Freunden Leonies, auch wenn deren Großvater diesen unschicklichen Umgang gar nicht billigt. Kurz nach Leonies Entführung wird einer ihrer Freunde, ebenfalls Mitglied der illustren Pratergesellschaft, ermordet in einer Gondel des neu eröffneten Riesenrades aufgefunden. Gustav ist sich sicher, dass es einen Zusammenhang geben muss. Doch Gustav stößt immer wieder auf Mauern des Schweigens und muss zwischen den Welten ermitteln. Und dann taucht erneut eine Leiche auf. Ob Gustav Leonie findet, bevor auch ihr etwas passiert?

"Der Tod fährt Riesenrad" ist ein wunderbares Buch. Die Krimi-Handlung an sich ist nicht nervenzerfetzend oder besonders ausgetüftelt, aber dafür ist die Rahmenhandlung sympathisch, sehr wienerisch und entführt einen in vergangene Zeiten. Besonders, wenn man Wien kennt, wird man seine wahre Freude an dem Buch haben - und wenn man Wien nicht kennt, so bekommt man spätestens nach der Lektüre Lust drauf, die Stadt zu besuchen. Nicht nur geografische Gegebenheiten und historische Geschehnisse hat Kneifl korrekt wiedergegeben, sie hat auch einen Teil der Wiener Seele eingefangen.

Haymon Verlag
Taschenbuch, 238 Seiten
ISBN 978-3-85218-878-2

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