Dienstag, 11. September 2012

Ein Spiel und ein Zeitvertreib















Autor: James Salter
Übersetzung: Beatrice Howeg
Original: A Sport and a Pastime (1967)
meine Bewertung: 4 von 5


Der Ich-Erzähler, ein junger Fotograf, hat sich in einem kleinen Dörfchen in Frankreich niedergelassen. Er möchte "das wahre Frankreich" erleben, das er auf seinen Erkundungstrips bis ins kleineste Detail in sich aufnimmt und beschreibt.
Eines Tages lernt er Philipp Dean kennen, einen ebenfalls jungen Amerikaner, der sich ebenfalls in Autun häuslich einrichtet. Der Erzähler und Philipp verstehen sich gut, weshalb sie ihre Abende gemeinsam verbringen. Während eines Ausflugs in eine Bar verliebt sich Philipp in die gerade 18 gewordene Anne-Marie. Auch Anne-Marie kann ihre Augen nicht mehr von dem adretten Amerikaner lassen; schon bald entspinnt sich eine Art Beziehung zwischen den Beiden, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Anne-Marie kommt aus ärmlichen Verhältnissen, während Philipp der Spross eines wohlhabenden Mannes ist und selbst nicht unbedingt zu arbeiten braucht. Da ist außerdem der Altersunterschied, die Sprachbarriere, die unterschiedliche Lebensauffassung... und dennoch fühlen sich die beiden wie magisch voneinander angezogen. Besonders in sexueller Hinsicht harmonieren die beiden.
Der Fotograf, durch seine Natur daran gewöhnt, jedes Detail seiner Umgebung wahrzunehmen, wird dazu verdammt, die Geschehnisse von außen zu beobachten. Er rekonstruiert daher die Geschehnisse zwischen Philipp und Anne-Marie aus den Erzählungen Philipps und seinen Wahrnehmungen. Er wird dadurch zum Voyeur eine Liebesgeschichte, die schon von Beginn an dazu verdammt ist, keine glückliche zu sein.
"Ein Spiel und ein Zeitvertreib" erschien erstmals 1967 - und erregte aufgrund seiner doch expliziten Beschreibung sexueller Handlungen naturgemäß einiges an Aufsehen. Dennoch ist die Erzählweise nicht platt oder obszön, sondern sprüht vor Erotik. Von Anbeginn an schwingt eine Verzweiflung in der Geschichte mit; die Detailgetreue des Erzählers macht den besonderen Reiz der Geschichte aus. So macht er den Leser nicht nur selbst zum Voyeur, sondern auch zu einem Gefährten. 
Das Buch landete ursprünglich auf meinem SUB weil es in John Irvings "Zirkuskind" ein zentrales Thema darstellt. Anfangs dauerte es etwas, bis ich in die Geschichte fand, aber kaum ist man das langsame Tempo gewöhnt, möchte man das Buch nicht mehr weglegen.

Taschenbuch, BVT Verlag
217 Seiten
ISBN: 978-3-8333-0480-4

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen