Friedman, Kinky (*31.10.1944)
Kinky Friedman ist ein wahres Multitalent. Der Countrysänger und Krimi-Autor tritt heuer bei den Mid-Term Elections, den Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten, als Kandidat für den Gouverneursposten in Texas an. Aus diesem aktuellen Grund (und weil ich gerade das Buch "Lone Star" von ihm lese) hier ein Porträt des Ausnahmepolitikers, dem ich persönlich die Daumen drücke. Go, Kinky!
„Warum zur Hölle auch nicht?“
Spätestens seit der Kandidatur Arnold Schwarzeneggers zum Gouverneur von Kalifornien ist es nichts Ungewöhnliches mehr, dass sich nicht nur Politiker zur Wahl in den amerikanischen Kongress stellen. Dieses Jahr will Kinky Friedman, seines Zeichens Cowboy, Countrysänger und Krimi-schriftsteller die Herausforderung annehmen und Gouverneur von Texas werden.
Das Wahlprogramm des gebürtigen Chicagoers Richard S. „Kinky“ (dt.: schrullig) Friedman trägt den Titel „Why the Hell not Kinky?“ (dt.: Warum zur Hölle auch nicht?) und lässt auf den ersten Blick nicht vermuten, dass sich hinter dieser launigen Ansage wirkliche Politik verbirgt. Der 61-Jährige hat außer einer erfolglosen Kandidatur zum Friedensrichter von Kerry in den Achtzigern zwar keine politische Erfahrung vorzuweisen, spielt diesen Umstand aber als einen seiner größten Trümpfe aus. Der unabhängige Kandidat positioniert sich als einfacher Mann aus dem Volk, der für das Volk arbeitet, nicht für eine Partei oder eine Lobby. Er ist gegen „political correctness“ und will Klartext reden. Und das tut er auch. Vor allem dann, wenn er den amtierenden Gouverneur von Texas, den Republikaner Rick Perry, als volksfern, korrupt und lobbyistisch bezeichnet.
In „zehn Gründe für Friedman“ formuliert er seine politischen Ziele: Mit einer Legalisierung des Glücksspiels will er das Bildungssystem stärken, eine Gesundheitsversicherung für alle, Rede- und Religionsfreiheit, sowie eine Justizreform, die verhindern soll, dass Unschuldige zum Tode verurteilt werden. Friedman möchte insgesamt die Würde Texas wiederherstellen, auch indem erneuerbare Energieformen wie beispielsweise Bio-Diesel unterstützt und weitreichende umweltpolitische Reformen durchgeführt werden. Für die Förderung der texanischen Jugend will er eine Freiwilligenorganisation gründen, die ähnlich wie der Friedenscorps aufgebaut ist. Der Katzenliebhaber Friedman wäre aber nicht „Kinky“ Friedman, würde er nicht auch noch das Verbot der Beschneidung von Katzenkrallen als wichtiges Anliegen hinterherschieben.
Dem Problem der illegalen Einwanderung in Texas will er mit einer Aufstockung der Nationalgarde an der Grenze zu Mexiko von 1.500 auf 10.000 Personen zu Leibe rücken – finanziert durch Einnahmen aus Strafen, die Betriebe für die Beschäftigung Illegaler zu bezahlen haben. Um die steigende Kriminalitätsrate zu senken, sieht sein Wahlprogramm eine Vergrößerung der Polizei vor. Da Texas über ein Steuerplus von 11 bis 13 Milliarden Dollar verfüge, müsse es gleichzeitig möglich sein, die Grundbesitzabgabe von derzeit 10% auf 3% zu senken, so Friedman. Die Homosexuellen-Ehe befürwortet der Texaner mit dem Satz: „Die Schwulen haben ein Recht darauf, genauso elend dran zu sein wie der Rest von uns.“
Im Moment liegt Friedman in den Umfragen noch rund 20% hinter dem amtierenden Gouverneur Perry, allerdings könnte er laut Sunday Herald einen Erdrutschsieg verzeichnen, wenn er es schafft, jene 70% der wahlberechtigten Texaner zu mobilisieren, die bei den letzten Kongresswahlen aufgrund fehlender Alternativen ihr Wahlrecht nicht in Anspruch genommen haben.
Zugute kommen könnte Friedman die Tatsache, dass er nicht nur in Texas, sondern auch in den USA und in Europa längst kein Unbekannter mehr ist. Geboren 1944 in Chicago, aufgewachsen auf einer Ranch in Texas entwickelte der kleine Richard schon früh eine Vorliebe für Schach. Bereits mit 7 Jahren spielte er gegen den Schachgroßmeister Samuel Reshevsky. Friedman studierte an der University of Texas Psychologie und diente danach zwei Jahre beim Friedenscorps. Er gründete den Verein „Utopia Animal Rescue Ranch“, der Tiere rettet und ihnen auf einer Farm ein neues Zuhause gibt, und eine Countryband, die er in Anspielung auf seine jüdische Herkunft „Kinky Friedman and the Texas Jewboys“ nannte.
Durch die schrägen und vor Ironie triefenden sowie teilweise respektlosen Texte („They ain’t makin’ Jews like Jesus anymore“) polarisiert die Band, die bereits 7 LPs veröffentlicht hat. Von Feministinnen wurde Friedman zum „Sexist of the Year“ gewählt, woraufhin er einen Song mit dem Titel „Yes, I’m the Sexiest“ komponierte. Seine Musik findet aber durchaus auch Anklang, so kam ihm die Ehre zu, mit Bob Dylan auf Tournee zu gehen.
Doch nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein literarisches Talent verbirgt sich in dem wie ein lebendig gewordenes Texaner-Klischee mit Zigarre, Boots und Cowboyhut auftretenden Friedman. Nachdem er eine Geisel aus einem Banküberfall gerettet hatte, begann er Krimis zu schreiben, die längst auch im deutschsprachigen Raum seine Fans gefunden haben. Der Held der Krimis ist Friedman selbst, die Handlung tritt in den meisten Fällen in den Hintergrund. Im Fokus der Krimis stehen seine Katze, eine Vermischung von Realität und Fiktion und eine charmant-skurrile Weltsicht. Der Wortwitz der Bücher, die Situationskomik und der tiefgründige Humor haben viele bekennende Fans in ihren Bann geschlagen. Zu ihnen zählen etwa Bill Clinton, Bob Dylan und sogar Nelson Mandela. Und mag man seine Bücher als Krimis nicht, kann man sie immer noch als Kneipenführer durch New York nutzen.
Heute lebt Friedman mit seinen drei Katzen und einem Gürteltier in Texas und New York und hofft auf einen Wahlsieg. In Abwandlung eines Zitates von Kris Kristoffersen meint Friedman: „Friedman is just another word for nothing left to lose.“
Bibliografie:
Greenwich Killing Time, 1986, ISBN 0688064094, dt.: „Greenwich Killing Time“, Rotbuch Verlag 2005, ISBN 3-434-54058-X
A Case Of Lone Star, 1987, ISBN 0517694271, dt.: „Lone Star“, Berlin, Bittermann 2006, ISBN 3-89320-100-9
When The Cat's Away, 1988, ISBN 0517075644, dt.: „Wenn die Katze weg ist“, 1993
Frequent Flyer, 1989, ISBN 0688081665
Musical Chairs, 1991, ISBN 0688091482
Elvis, Jesus and Coca-Cola, 1993, ISBN 0671869221, dt.: „Elvis, Jesus & Coca-Cola“, Rotbuch Krimi 2006, 205 S., ISBN 3-434-54064-4
Armadillos and Old Lace, 1994, ISBN 067186923X, dt.: »Gürteltier und Spitzenhäubchen«, 1996
God Bless John Wayne, 1995, ISBN 0684810514, dt.: „Gott segne John Wayne“
The Love Song of J. Edgar Hoover, 1996, ISBN 0684803771, dt.: »Der Leibkoch von Al Capone«, 1999
Roadkill, 1997, ISBN 068480378X, dt.: „Strassenpizza“, Heyne 2002
Blast From The Past, 1998, ISBN 0684803798, dt.: „Ohrensausen“
Spanking Watson, 1999, ISBN 0684850613, dt.: „Ballettratten in der Vandam Street“
The Mile High Club, 2000, ISBN 068486486X, dt.: „Der glückliche Flieger“, Berlin, Bittermann, 2005, 192 S., ISBN 3-89320-084-3
Stepping On A Rainbow, 2001, ISBN 0684864878, dt.: „Tanz auf dem Regenbogen“, Berlin, Bittermann 2006, ISBN 3-89320-100-9
Meanwhile, Back At The Ranch, 2002, ISBN 0684864886 , dt. "Katze, Kind und Katastrophen"
Kill Two Birds and Get Stoned, 2003, ISBN 006620979X
Curse of the Missing Puppethead, 2003, ISBN 0970238363
Prisoner of Vandam Street, 2004, ISBN 0743246020
'Scuse Me While I Whip This Out, 2004, ISBN 0060539755
Ten Little New Yorkers, 2005, ISBN 0743246039
Wiglaf Droste liest: Kinky Friedman - Lone Star, 4 CDs, Bear Family Records 2005, Audio-CD mit 1 Booklet, ISBN 3-89916-135-1
Wiglaf Droste liest: Greenwich Killing Time, 5 CDs, Bear Family Records 2005, ISBN 3-89916-134-3
„Warum zur Hölle auch nicht?“
Spätestens seit der Kandidatur Arnold Schwarzeneggers zum Gouverneur von Kalifornien ist es nichts Ungewöhnliches mehr, dass sich nicht nur Politiker zur Wahl in den amerikanischen Kongress stellen. Dieses Jahr will Kinky Friedman, seines Zeichens Cowboy, Countrysänger und Krimi-schriftsteller die Herausforderung annehmen und Gouverneur von Texas werden.
Das Wahlprogramm des gebürtigen Chicagoers Richard S. „Kinky“ (dt.: schrullig) Friedman trägt den Titel „Why the Hell not Kinky?“ (dt.: Warum zur Hölle auch nicht?) und lässt auf den ersten Blick nicht vermuten, dass sich hinter dieser launigen Ansage wirkliche Politik verbirgt. Der 61-Jährige hat außer einer erfolglosen Kandidatur zum Friedensrichter von Kerry in den Achtzigern zwar keine politische Erfahrung vorzuweisen, spielt diesen Umstand aber als einen seiner größten Trümpfe aus. Der unabhängige Kandidat positioniert sich als einfacher Mann aus dem Volk, der für das Volk arbeitet, nicht für eine Partei oder eine Lobby. Er ist gegen „political correctness“ und will Klartext reden. Und das tut er auch. Vor allem dann, wenn er den amtierenden Gouverneur von Texas, den Republikaner Rick Perry, als volksfern, korrupt und lobbyistisch bezeichnet.
In „zehn Gründe für Friedman“ formuliert er seine politischen Ziele: Mit einer Legalisierung des Glücksspiels will er das Bildungssystem stärken, eine Gesundheitsversicherung für alle, Rede- und Religionsfreiheit, sowie eine Justizreform, die verhindern soll, dass Unschuldige zum Tode verurteilt werden. Friedman möchte insgesamt die Würde Texas wiederherstellen, auch indem erneuerbare Energieformen wie beispielsweise Bio-Diesel unterstützt und weitreichende umweltpolitische Reformen durchgeführt werden. Für die Förderung der texanischen Jugend will er eine Freiwilligenorganisation gründen, die ähnlich wie der Friedenscorps aufgebaut ist. Der Katzenliebhaber Friedman wäre aber nicht „Kinky“ Friedman, würde er nicht auch noch das Verbot der Beschneidung von Katzenkrallen als wichtiges Anliegen hinterherschieben.
Dem Problem der illegalen Einwanderung in Texas will er mit einer Aufstockung der Nationalgarde an der Grenze zu Mexiko von 1.500 auf 10.000 Personen zu Leibe rücken – finanziert durch Einnahmen aus Strafen, die Betriebe für die Beschäftigung Illegaler zu bezahlen haben. Um die steigende Kriminalitätsrate zu senken, sieht sein Wahlprogramm eine Vergrößerung der Polizei vor. Da Texas über ein Steuerplus von 11 bis 13 Milliarden Dollar verfüge, müsse es gleichzeitig möglich sein, die Grundbesitzabgabe von derzeit 10% auf 3% zu senken, so Friedman. Die Homosexuellen-Ehe befürwortet der Texaner mit dem Satz: „Die Schwulen haben ein Recht darauf, genauso elend dran zu sein wie der Rest von uns.“
Im Moment liegt Friedman in den Umfragen noch rund 20% hinter dem amtierenden Gouverneur Perry, allerdings könnte er laut Sunday Herald einen Erdrutschsieg verzeichnen, wenn er es schafft, jene 70% der wahlberechtigten Texaner zu mobilisieren, die bei den letzten Kongresswahlen aufgrund fehlender Alternativen ihr Wahlrecht nicht in Anspruch genommen haben.
Zugute kommen könnte Friedman die Tatsache, dass er nicht nur in Texas, sondern auch in den USA und in Europa längst kein Unbekannter mehr ist. Geboren 1944 in Chicago, aufgewachsen auf einer Ranch in Texas entwickelte der kleine Richard schon früh eine Vorliebe für Schach. Bereits mit 7 Jahren spielte er gegen den Schachgroßmeister Samuel Reshevsky. Friedman studierte an der University of Texas Psychologie und diente danach zwei Jahre beim Friedenscorps. Er gründete den Verein „Utopia Animal Rescue Ranch“, der Tiere rettet und ihnen auf einer Farm ein neues Zuhause gibt, und eine Countryband, die er in Anspielung auf seine jüdische Herkunft „Kinky Friedman and the Texas Jewboys“ nannte.
Durch die schrägen und vor Ironie triefenden sowie teilweise respektlosen Texte („They ain’t makin’ Jews like Jesus anymore“) polarisiert die Band, die bereits 7 LPs veröffentlicht hat. Von Feministinnen wurde Friedman zum „Sexist of the Year“ gewählt, woraufhin er einen Song mit dem Titel „Yes, I’m the Sexiest“ komponierte. Seine Musik findet aber durchaus auch Anklang, so kam ihm die Ehre zu, mit Bob Dylan auf Tournee zu gehen.
Doch nicht nur ein musikalisches, sondern auch ein literarisches Talent verbirgt sich in dem wie ein lebendig gewordenes Texaner-Klischee mit Zigarre, Boots und Cowboyhut auftretenden Friedman. Nachdem er eine Geisel aus einem Banküberfall gerettet hatte, begann er Krimis zu schreiben, die längst auch im deutschsprachigen Raum seine Fans gefunden haben. Der Held der Krimis ist Friedman selbst, die Handlung tritt in den meisten Fällen in den Hintergrund. Im Fokus der Krimis stehen seine Katze, eine Vermischung von Realität und Fiktion und eine charmant-skurrile Weltsicht. Der Wortwitz der Bücher, die Situationskomik und der tiefgründige Humor haben viele bekennende Fans in ihren Bann geschlagen. Zu ihnen zählen etwa Bill Clinton, Bob Dylan und sogar Nelson Mandela. Und mag man seine Bücher als Krimis nicht, kann man sie immer noch als Kneipenführer durch New York nutzen.
Heute lebt Friedman mit seinen drei Katzen und einem Gürteltier in Texas und New York und hofft auf einen Wahlsieg. In Abwandlung eines Zitates von Kris Kristoffersen meint Friedman: „Friedman is just another word for nothing left to lose.“
Bibliografie:
Greenwich Killing Time, 1986, ISBN 0688064094, dt.: „Greenwich Killing Time“, Rotbuch Verlag 2005, ISBN 3-434-54058-X
A Case Of Lone Star, 1987, ISBN 0517694271, dt.: „Lone Star“, Berlin, Bittermann 2006, ISBN 3-89320-100-9
When The Cat's Away, 1988, ISBN 0517075644, dt.: „Wenn die Katze weg ist“, 1993
Frequent Flyer, 1989, ISBN 0688081665
Musical Chairs, 1991, ISBN 0688091482
Elvis, Jesus and Coca-Cola, 1993, ISBN 0671869221, dt.: „Elvis, Jesus & Coca-Cola“, Rotbuch Krimi 2006, 205 S., ISBN 3-434-54064-4
Armadillos and Old Lace, 1994, ISBN 067186923X, dt.: »Gürteltier und Spitzenhäubchen«, 1996
God Bless John Wayne, 1995, ISBN 0684810514, dt.: „Gott segne John Wayne“
The Love Song of J. Edgar Hoover, 1996, ISBN 0684803771, dt.: »Der Leibkoch von Al Capone«, 1999
Roadkill, 1997, ISBN 068480378X, dt.: „Strassenpizza“, Heyne 2002
Blast From The Past, 1998, ISBN 0684803798, dt.: „Ohrensausen“
Spanking Watson, 1999, ISBN 0684850613, dt.: „Ballettratten in der Vandam Street“
The Mile High Club, 2000, ISBN 068486486X, dt.: „Der glückliche Flieger“, Berlin, Bittermann, 2005, 192 S., ISBN 3-89320-084-3
Stepping On A Rainbow, 2001, ISBN 0684864878, dt.: „Tanz auf dem Regenbogen“, Berlin, Bittermann 2006, ISBN 3-89320-100-9
Meanwhile, Back At The Ranch, 2002, ISBN 0684864886 , dt. "Katze, Kind und Katastrophen"
Kill Two Birds and Get Stoned, 2003, ISBN 006620979X
Curse of the Missing Puppethead, 2003, ISBN 0970238363
Prisoner of Vandam Street, 2004, ISBN 0743246020
'Scuse Me While I Whip This Out, 2004, ISBN 0060539755
Ten Little New Yorkers, 2005, ISBN 0743246039
Wiglaf Droste liest: Kinky Friedman - Lone Star, 4 CDs, Bear Family Records 2005, Audio-CD mit 1 Booklet, ISBN 3-89916-135-1
Wiglaf Droste liest: Greenwich Killing Time, 5 CDs, Bear Family Records 2005, ISBN 3-89916-134-3
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